Wildbrücke als Querungshilfe

„Wozu eine Wildbrücke in der Region? Wer braucht das?“: Diese Fragen stellte der CDU-Ortsverband Holsterhausen in seiner Aktion „Offenes Ohr für Holsterhausen“.

Auf dem Infoabend stellte Christoph Beemelmans, Revierleiter in der Üfter Mark, das nach wie vor umstrittene Projekt vor. Rund 30 Holsterhausener wollten sich im Revier des Regionalverbands Ruhr (RVR) direkt ein Bild machen, um mehr über das Naturschutzprojekt auf dem Gebiet der Gemeinde Schermbeck zu erfahren.

Foto: WAZ

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Aber: Die vergleichsweise große Zahl der Interessierten ließ keine Ortsbesichtigung der Wildbrückenbaustelle zu, da diese grundsätzlich nur von der Autobahn 31 aus zugänglich ist, bedauert René Franken, Pressesprecher des Ortsverband. Trotzdem stellte sich Beemelmans den kritischen Fragen der Gäste.

Auch durch die WAZ informiert, ergab sich in der Gruppe ein breites Meinungsbild. Vor allem die immense Summe, die in dieses Naturschutzprojekt fließt, bewegte viele. So kostet die Brücke 4,5 Mio €, die dazugehörige Wildwarnanlage samt Kilometer langem Zaun rund 500 000 €.

Beemelmanns erläuterte, die Wildbrücke sei ein Projekt des Bundesministeriums für Verkehr. Der Bundeswildwegeplan habe bereits vor Jahren Bedarf für eine vor allem vom Rotwild nutzbare Wechselmöglichkeit im Bereich der Üfter Mark über die A 31 festgestellt. Der Landesbetrieb Straßen.NRW übernehme nach der Fertigstellung den Unterhalt und der RVR als Reviereigner sorge für die Begrünung der Brücke sowie die Pflege.

Die „scharf gestellte“ Wildwarnanlage an der B 224 zwischen dem Freudenberg und der Erler Gemeindegrenze sei notwendig: Denn: Die Fachleute erwarten, dass die Üfter Mark beim überregionalen Wild eine zentrale Rolle als Durchzugs- und Paarungsrevier für das Rotwild spielen werde, so Beemelmans.

Er äußerte sich auch zu oft kritisierten Folgen für Wildbestände in Dorsten und zu erwartende Schäden durch mögliche, größere Wanderungsbewegungen von Wildschweinen durch Deuten und weiter nach Dorsten: Schwarzwild bewege sich bereits heute ohne Probleme über die Autobahn. Die Tiere queren die Trasse über eine Brücke am Markenweg. Spuren im Schnee haben dies schon bewiesen. Die Wildbrücke solle dagegen die seit dem Bau der A31 durchtrennten Wanderungsbewegungen des Rotwilds von den Niederlanden bis in den Teutoburger Wald ermöglichen. Wolfgang Ittner, Vorsitzende des Ortsverbands: „Ich freue mich über den anregenden Austausch, auch zu kritischen Fragen.“ Er hoffe weiterhin auf mehr sachliche Informationen, um auch künftig „das Projekt in der öffentlichen Diskussion begleiten zu können“.


WAZ, 12.04.2012
Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/dorsten/wildbruecke-als-querungshilfe-id6548608.html