Hund riss gebärendes Reh

Ein Reh ist am Wochenende kurz vor der Geburt von einem freilaufenden Hund rund einen Kilometer nördlich des Parkplatzes Nottkamp in der Üfter Mark gehetzt und gerissen worden.

Am Sonntag erhielt RVR-Förster Christoph Beemelmans gegen 9 Uhr morgens einen Anruf. Ein Schermbecker hatte das tote Reh in der Nähe des Ameisenwegs gesehen. Beemelmans fand die Ricke, an deren Hals die Speichelspuren des Hundes noch gut zu erkennen waren.

„Kurz vor dem Geburtsvorgang werden die Tiere stoisch“, erklärt Beemelmans, warum das Reh nicht vor dem Hund flüchtete. Dass die Ricke kurz vor dem „Setzen“ stand, erkannte der Förster daran, dass das Gesäuge bereits ausgeprägt war. „In der Zeit der Kitzgeburten sind die Muttertiere aufgrund der Wehen nicht so mobil und suchen nach der geeigneten Stelle, um ihren Nachwuchs gebären zu können.“

Ein Großteil der Hundebesitzer halte sich an das Leinengebot für Hunde, das im Naturschutzgebiet Üfter Mark herrscht, sagt Beemelmans. Und: „Die Hundeführer sind heute viel verantwortungsbewusster als vor 20 Jahren. Die Hundeschulen haben da viel Positives bewirkt.“

Die meisten Hunde hätten auch keine Neigung zum Wildern, sagt Beemelmans. Doch in der genannten Situation – ein Reh flüchtet erst nicht und dann nur langsam – „wird bei den meisten Hunden der Jagdinstinkt geweckt.“

Natürlich kann Beemelmans Verwarnungsgelder bei freilaufenden Hunden erheben. Lieber wäre ihm jedoch, wenn Hundebesitzer den Sinn des Leinenzwangs erkennen und die Waldbesucher sich gegenseitig erziehen würden. Denn die Rehe seien nicht nur zur Zeit der Geburt gefährdet. Auch Kitze seien im ersten Jahr für Hunde deutlich schneller zu erwischen.

Den Satz „aber der Hund muss doch irgendwo frei laufen können“ hat Beemelmans schon unzählige Male gehört. Im Grunde sei das ja auch richtig, was die Hundebesitzer sagten, so Beemelmans, der die Kommunen in der Pflicht sieht, ausreichend Freilaufflächen für Hunde zu schaffen.

Beemelmans kann sich auch gut vorstellen, dass der Hundebesitzer, dessen Vierbeiner das Reh getötet hat, selbst geschockt gewesen ist. Denn das Reh wurde nicht an der Stelle gerissen, wo Beemelmans es fand, sondern auf den Weg gezogen. „Es sollte gefunden werden.“

Dennoch erfüllt ein Hund, der ein Reh hetzt und reißt, den Tatbestand der Wilderei. Eine solche Straftat ist anzeigepflichtig bei der zuständigen Staatsanwaltschaft. Beemelmans bittet deshalb um sachdienliche Hinweise unter Tel. (02866) 4491.


Berthold Fehmer, Dorstener Zeitung, 22.05.2012
Quelle: http://www.dorstenerzeitung.de/lokales/schermbeck/Hunde-riss-gebaerendes-Reh;art4250,1653232