Frauenpower in der Landwirtschaft

Porträt Landwirtschaft ist keine Knochenarbeit mehr: Silke Sümpelmann (38) managt erfolgreich einen Milchviehbetrieb in Bricht und setzt dabei auf “frauenfreundliche Technik”. Ein Roboter übernimmt das Melken, ein weiterer die Reinigung des Stallbodens.

Frauen in der Landwirtschaft sind nach wie vor eine Seltenheit. Die meisten Menschen reagieren überrascht, wenn sie auf eine Frau treffen, die einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Eine Frau als Betriebsleiterin – kann das gut gehen? Ja, Silke Sümpelmann aus Bricht beweist es. Die 38-Jährige ist Chefin des Horstkamps Hof mit 57 Kühen und insgesamt 80 Hektar Acker- und Grünland.

Foto: Elisabeth Legge

Foto: Elisabeth Legge

Silke Sümpelmann setzt in ihrem Hof auf “frauenfreundliche Technik”. Auch die Sicherheit spielt eine große Rolle: So wurde im Jungbullenstall ein spezielles Hochgitter installiert.

“Ich wollte schon immer Landwirtin werden”, gibt Silke Sümpelmann zu. Ihre Eltern Irmgard und Walter Horstkamp hätten sie keinesfalls dazu gedrängt. “Auf Anregung meiner Mutter habe ich sogar erst einmal eine hauswirtschaftliche einjährige Berufsfachschule besucht. Aber schon nach zwei Wochen habe ich gemerkt, das ist nicht meine Welt.” So schloss sie an den Schulbesuch eine landwirtschaftliche Lehre und die Ausbildung zur staatlich geprüften Landwirtin an. 2007 pachtete sie schließlich von ihren Eltern den Hof. “Ich wollte das, was meine Eltern aufgebaut haben, fortführen. Und mir war damals ganz klar, wenn ich den Hof nicht übernehme, dann macht es keiner”, sagt die Jüngste von drei Töchtern.

Silke Sümpelmann ist inzwischen selbst Mutter von drei Töchtern. Jonna (13), Malin (8) und Greta (5) sind dabei ebenso Landwirtschafts- und vor allem Kuh-begeistert wie ihre Mutter. Die Brichter Landwirtin ist Schwarzbunt-Züchterin und eine erfolgreiche obendrein. Viele Spitzentiere stammen aus ihrer Herde, die 2010 eine durchschnittliche Jahresleistung von immerhin 11 300 Kilogramm brachte. Die Kühe sind Silke Sümpelmanns Ding und da redet ihr auch keiner rein.

Auf dem Horstkamps Hof hat jeder seinen Platz, wobei alle Familienmitglieder voll im Ablauf integriert sind. Silke Sümpelmann managt den gesamten Betrieb und überwacht die Arbeitsschritte. Ihre Hauptaufgaben sind das Herdenmanagment, die Kälber und die Buchführung.

Ihr Mann Markus kann nur am Wochenende und nach Feierabend sowie während der Grassilage- und Maisernte mithelfen. Denn der 35-Jährige ist Chef einer Landtechnikfirma. Einen großen Teil der Feldarbeiten sowie das Füttern übernimmt daher auch Silke Sümpelmanns Vater. Ihre Mutter kümmert sich um den Haushalt. Aufzucht und Vermarktung von Deckbullen Zusammen mit ihren Eltern und Ehemann Markus hat Silke Sümpelmann in den vergangenen 20 Jahren den Horstkamps Hof fit für die Zukunft gemacht.

1992 erfolgte der Bau eines Boxenlaufstalls und 2010 schließlich die Modernisierung des Laufstalls mit Neubau eines Jungviehstalls und einer neuer Maschinenhalle. Der Jungviehstall bietet dabei ausreichend Platz für einen besonderen Betriebszweig, den Silke Sümpelmann für sich entdeckt hat: Die Aufzucht und den Verkauf einjähriger Deckbullen. “Ich wollte etwas Eigenes machen, was mir nicht viele so schnell nachmachen können”, erläutert die selbstbewusste Landwirtin. Sie zieht nicht nur ihre eigenen Bullen auf, sondern zusätzlich die Bullen eines weiteren Züchters. Alle Bullen werden dabei ab Hof von ihr vermarktet.

Die 38-Jährige setzt überall dort, wo es funktioniert, auf “höchstmögliche frauenfreundliche” Technik. Im vergangenen Jahr hat Familie Sümpelmann daher in einen Roboter investiert, der das Melken übernimmt. Ein weiterer, Batterie betriebener Roboter übernimmt das Reinigen des Spaltenbodens im Stall. Die Bullenkälber stehen auf Kunststoffrosten und in weichen Liegeboxen. “Hierdurch müssen wir weniger einstreuen, das spart Arbeitszeit”, erläutert Silke Sümpelmann, die in ihrem Betrieb auch großen Wert auf Sicherheit legt. So wurde im Jungbullenstall ein spezielles Hochgitter installiert, das durch Herabziehen blitzschnell einen sicheren Schutzraum schafft.

Die Landwirtin ist zufrieden, so wie es im Moment läuft. “Meine Familie ist meine Stärke. Auf meinen Mann, meine Eltern und meine Schwiegereltern kann ich ganz einfach bauen”, versichert Silke Sümpelmann. Eine regelmäßige Auszeit von Haus und Hof müsse aber sein. Sümpelmanns machen einmal im Jahr eine Woche Urlaub mit ihren Kindern und im Frühjahr gönnt sich das Ehepaar ein Wochenende zu zweit. Und an zwei Wochenenden im Jahr besuchen Silke und Markus Sümpelmann Bauern- und Unternehmerschulungen.

Die 38-Jährige ist gerne Landwirtin und möchte ihren Beruf nicht gegen einen anderen tauschen: “Man hat zwar viel Arbeit, aber man kann sie sich häufig selbst einteilen. Besonders mag ich, dass ich für das verantwortlich bin, was ich tue.”


Elisabeth Legge, RP Online, 10.11.2011
Quelle: http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/wesel/nachrichten/frauenpower-in-der-landwirtschaft-1.2547519